Russische Sprachschule
Wer eine Sprache spricht, sollte sie auch lesen und schreiben lernen können. Die Mehrsprachigkeit bei Kindern soll durch die russischen Sprachschule gefördert werden. Grundschüler in Klasse 3 + 4 nehmen am Kurs in der Kirchengemeinde teil. Dank der Kooperation mit dem Hans-Multscher Gymnasium können Jugendliche aller Schularten ab Klasse 5 an der dortigen Russisch-AG teilnehmen.
Aus dem Bericht in "Leutkirch hat was" vom 10. Dez. 2008:
(von Carmen Notz)
In der russischen Sprachschule lernen Kinder ihre Muttersprache besser kennen
LEUTKIRCH – Das Integrations-Angebot der evangelischen Kirche bietet seit drei Jahren russischen Kindern eine Sprachschule an, um die Freude an ihrer Erstsprache und deren schriftliche Beherrschung mit den ungewohnten kyrillischen Buchstaben zu unterstützen.
Marina Wacker aus Leutkirch ist Vorschullehrerin, gebürtig aus dem Kaukasus und sie hat viel Freude daran, Kinder in Russisch zu unterrichten. Einmal in der Woche treffen sich die Schüler mit ihr im Haus der Evangelischen Kirchengemeinde in der Poststraße 16. Wenn alle da sind wird zu Beginn erst einmal ein Lied gesungen. Heute werden in verschiedenen Strophen Tiere nachgemacht und dazu wird zügig um die Tische marschiert. Die acht deutsch-russischen Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren schlagen ihre Schulbücher und Hefte auf. Das Lehrmaterial wurde gemeinsam bestellt und von den Eltern selbst bezahlt. Darin sind große kyrillische Buchstaben, 33 an der Zahl, die alle gelernt sein wollen, in Schrift und Aussprache. Auch die verschiedene Bedeutung, je nach Aussprache, ist anders als im Deutschen und nicht einfach für die Kinder, die alle in Deutschland geboren sind und russisch nur vom Sprechen her kennen. Mühsam malen sie die unbekannten Buchstaben im Heft nach und versuchen, damit Wörter zu bilden. Daneben gibt es noch Buchstaben wie im Deutschen, die aber anders gesprochen werden. P ist ein R, H ist ein N, Y ist ein U und )( ist ein CH. Wenn man damit ein Wort lesen will, kommt man nicht nur als Kind ins Grübeln.
Lesen und Verstehen
Marina Wacker arbeitet ehrenamtlich und hält ihren Unterricht fast ausschließlich in Russisch. Die Kinder hört man dagegen manchmal schon auch deutsch sprechen, wenn sie spontan denken oder antworten: „Wie wird das geschrieben oder ich weiß es!“ Frau Wacker bleibt eisern bei der Muttersprache, wenn sie mit den Kindern spricht, sie antwortet und fragt nur in Russisch. Die Kinder sind alle konzentriert bei der Sache, sie geniessen es auch, so unter sich zu sein und sich ganz auf das Russische einlassen zu können. Da liest ein Kind eine Geschichte vor und die anderen müssen sie nacherzählen. So testet Marina Wacker, ob alles verstanden wurde. Manchmal heißt es auch „njet“, nein, und sie muss erklären oder korrigieren. An die Tafel hat sie verschiedene Worte geschrieben, die ausgesprochen werden müssen oder die Wörter müssen fertig geschrieben werden. Manche Sätze an der Tafel enthalten absichtlich Fehler und die Kinder müssen das herausfinden und an der Tafel korrigieren. Da rätseln Oksana, Anita, Diana, Thomas, Alexander, Christine, Dennis und Svetlana manchmal ganz schön rum. Nach knapp einer Stunde ist kurze Pause, mit einem Gedicht werden zur Auflockerung Fingerübungen gemacht. Dann geht es in die zweite Stunde.
Bessere Chancen für Zukunft
„Die Kinder lernen nicht nur besser lesen und schreiben. Sie lernen Grammatik und festigen die russische Sprache. Es wächst die Freude an der Sprache und auch das Deutsch der Kinder wird besser. So haben sie später im Beruf bessere Chancen“, erklärt Marina Wacker, selbst Mutter von zwei Kindern mit 13 und 19 Jahren. Die Kurse laufen parallel zum Schuljahr, beginnen im Herbst und laufen bis zum Mai. Für Jugendliche ab der 5. Schulklasse (ab 11 Jahren) gibt es einen Sprachkurs am Gymnasium. Die Evangelische Kirche engagiert sich seit 2002 für Russlanddeutsche und in Deutschland geborene Gemeindemitglieder und kümmert sich auch um die Belange der Spätaussiedler. Das Angebot der Sprachschule ist ein Teil des Integrationsprojekts „einander verstehen – füreinander einstehen“.
Info:
Träger der Sprachschule ist die Evangelische Kirchengemeinde Leutkirch, Ansprechpartnerin Pfarrerin Ulrike Rose, Tel. 07561/26 50
Download des Artikels hier "
Leutkirch hat was" Nr 24 / 2008




