Lesegottesdienst zu Pfingsten von Klinikpfarrerin Franziska Müller, Wangen


"Komm, Sturm. Zerreiße die Wolken der Traurigkeit.
Lass uns die Sonne sehen.
Komm, Atem des Lebens. Hauche uns an, damit wir unsere Gräber verlassen und auferstehen aus Trägheit und Angst.
Komm, Feuer. Taue das Eis auf in unseren Herzen. Erwärme uns für dich und füreinander.
Komm, Heiliger Geist. Wärme, belebe, bewege uns."

Mit Worten von Karl-Heinz Ronecker wünsche ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, frohe, bewegende, belebende Pfingsten.

Manche, mancher unter Ihnen wird sich vielleicht fragen, was an diesen Pfingsten 'fröhlich' stimmen soll: Noch vor einem Jahr war für die meisten von uns Vieles einfacher, sicherer, unbeschwerter, lebendiger.

Doch damit nähern wir uns auch schon dem ursprünglichen Pfingstgeschehen selbst: Vor wenigen Wochen noch waren die Jünger mit Jesus unterwegs. Sie träumten durch ihn und mit ihm vom Reich Gottes, dieser Gemeinschaft mit Gott und untereinander, in der alle Heimat finden können, in der Wunden heilen, Leben aufblüht.

Dann starb Jesus am Kreuz - und alle Hoffnung auf eine bessere Zukunft mit ihm.

Und auch nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt bleibt für die Jünger die Frage: Was heißt das nun für uns? Für mich? Was wird aus meinem Leben? Aus meinen Hoffnungen?

Vielleicht ist es deshalb gerade besonders eindrücklich, das Pfingstfest zu begehen: in diesem Jahr, in dem wir nur wage Zukunftspläne schmieden können, in dem wir angehalten sind, uns - zum Schutz der Schwachen, und keiner weiß, wer letztlich dazu zählen würde - nur distanziert zu begegnen, in dem bislang selbstverständlich geglaubte Freiheiten in Frage stehen. Vielleicht sind wir damit den Jüngern in ihrem Erleben näher als je zuvor.

Vielleicht erhält die Pfingstbotschaft für Sie, für uns deshalb einen ganz besonderen Klang, kann uns berühren, bewegen, so dass wir spüren, dass sie auch hier und heute und für uns alle gilt.

Ich nehme Sie mit diesem Gottesdienst hinein in unsere Wirklichkeit in den Fachkliniken Wangen, wo ich als Seelsorgerin zusammen mit meinen beiden katholischen Kollegen, den Mitarbei­tenden, den Patienten und deren Angehörigen, die nur in Ausnahmefällen zueinander kommen konnten, intensive Wochen erlebe. Am Pfingstsonntag werden wir Gottesdienst feiern, anders als an Ostern wieder mit einigen Patienten von einer Station in der Kapelle, weiterhin jedoch mit den Patienten der anderen Stationen nur über die Telefonanlage beziehungsweise Text­blätter verbunden. Wir feiern Pfingsten in einer Zeit, die gerade auch allen, die sich nach Gemeinschaft und Nähe sehnen, viel abverlangt.

Jesus verheißt uns: Der Vater wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit. (Johannes 14,16)

Lassen Sie uns gemeinsam darauf hoffen, dafür beten und offen sein, dass der Heilige Geist zu all denen kommt, die ihn brauchen - und also auch zu uns.

So können wir, verbunden mit all den Menschen, die uns am Herzen liegen, Gottesdienst feiern, im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes. Amen

Ÿ  Lied: EG 136,1.2.7 O komm, du Geist der Wahrheit


1. O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein,

verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.

Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,

dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

2. O du, den unser größter Regent uns zugesagt:

Komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt.

Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit

die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.

7. Du Heilger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern;

mit deiner Kraft begleite das Zeugnis von dem Herrn.

O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund,

dass wir in Freud und Schmerzen das Heil ihr machen kund.

 

Ÿ  Psalm 118,24-29 (EG 747 i.A.) Dies ist der Tag


Dies ist der Tag, den der Herr macht;

lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O Herr, hilf!

O Herr, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid.

Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.

Schmückt das Fest mit Maien
bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott, und ich danke dir;

mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

 

Ÿ  Gebet (mit Worten von Anton Rotzetter)


Ruf in mir, Heiliger Geist,

nach Gott und seiner Gerechtigkeit.

Bet in mir, Heiliger Geist,

um Freude und Zuversicht.

Schrei in mir, Heiliger Geist,

nach Freiheit und Leben.

Wein in mir, Heiliger Geist,

vor Schmerz und Trauer.

Klag in mir, Heiliger Geist,

über Trennung und Tod.

Sing in mir, Heiliger Geist,

das Lied der Befreiung.

Juble mit mir, Heiliger Geist,

im Lande der Lebendigen.

Mach alles neu!

Durch Dich, Heiliger Geist,

kann alles neu werden.


Gib uns neue Gedanken

und lass uns das Undenkbare denken.

Gib uns neue Gefühle

und lass uns das Unbegreifbare fühlen.

Gib uns neue Taten

und lass uns das Unmögliche tun.

Gib uns ein neues Herz

und lass uns dem Unfassbaren Raum geben.


Lass uns dich spüren, bete du in uns, auch jetzt und hier.


STILLE


Heiliger Geist,

lass uns Deine neue Welt sein

hier auf Erden und allezeit.

Amen

 

Ÿ  Lied: EG 554,1-4 Der Geist des Herrn erfüllt


1. Der Geist des Herrn erfüllt das All mit Sturm und Feuersgluten;

er krönt mit Jubel Berg und Tal, er lässt die Wasser fluten.

Ganz überströmt von Glanz und Licht, erhebt die Schöpfung ihr Gesicht,

frohlockend: Halleluja.


2. Der Geist des Herrn erweckt den Geist in Sehern und Propheten,

der das Erbarmen Gottes weist und Heil in tiefsten Nöten.

Seht, aus der Nacht Verheißung blüht; die Hoffnung hebt sich wie ein Lied

und jubelt: Halleluja.

3. Der Geist des Herrn treibt Gottes Sohn, die Erde zu erlösen;

er stirbt, erhöht am Kreuzesthron, und bricht die Macht des Bösen.

Als Sieger fährt er jauchzend heim und ruft den Geist, dass jeder Keim

aufbreche: Halleluja.

4. Der Geist des Herrn durchweht die Welt gewaltig und unbändig;

wohin sein Feueratem fällt, wird Gottes Reich lebendig.

Da schreitet Christus durch die Zeit in seiner Kirche Pilgerkleid,

Gott lobend: Halleluja.

 

Ÿ  Predigt


Liebe Zuhörende, liebe Mitfeiernde,

Pfingsten - das ist ein Fest, das wir immer wieder in unserem Leben feiern können. Wir feiern die 'Ausgießung des Heiligen Geistes' - und damit diese Momente, in denen wir in tiefster Trostlosigkeit neue Hoffnung spüren, mitten im Streit Worte der Versöhnung entdecken, statt Einsamkeit Geborgenheit erleben. Wir feiern den 'Geburtstag der Kirche' und damit einer Gemeinschaft, in der Menschen verschiedenster Herkunft und Eigenart Heimat finden, sich neu aus- und aufrichten lernen, füreinander da sind und miteinander einen Vorgeschmack auf das Reich Gottes erleben und gestalten.

Der heutige Predigttext aus dem zweiten Kapitel der Apostelgeschichte erzählt von dem Geschehenen:

Apg 21     Dann kam der Pfingsttag.

Alle, die zu Jesus gehört hatten, waren an einem Ort versammelt.

2    Plötzlich kam vom Himmel her ein Rauschen wie von einem starken Wind. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich aufhielten.

3    Dann erschien ihnen etwas wie züngelnde Flammen. Die verteilten sich und ließen sich auf jedem Einzelnen von ihnen nieder.

4    Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt. Sie begannen, in fremden Sprachen zu reden - ganz so, wie der Geist es ihnen eingab.

5    In Jerusalem lebten auch fromme Juden aus aller Welt, die sich hier niedergelassen hatten.

6    Als das Rauschen einsetzte, strömten sie zusammen.
Sie waren verstört, denn jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.

7    Erstaunt und verwundert sagten sie: "Sind das denn nicht alles Leute aus Galiläa, die hier reden?

8    Wie kommt es, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört?

9    Wir kommen aus Persien, Medien und Elam. Wir stammen aus Mesopotamien, Judäa, Kappadozien, aus Pontus und der Provinz Asien,

10  aus Phrygien und Pamphylien. Aus Ägypten und der Gegend von Zyrene in Libyen, ja sogar aus Rom sind Besucher hier.

11  Wir sind Juden von Geburt an und Fremde, die zum jüdischen Glauben übergetreten sind. Auch Kreter und Araber sind dabei. Wir alle hören diese Leute in unseren eigenen Sprachen erzählen, was Gott Großes getan hat."

Liebe Pfingstgemeinde,

ohne ihren Herrn und Bruder Jesus Christus waren die Jünger reichlich kopflos: Was würde werden aus diesen Träumen von einer besseren Welt, die sie mit ihm geträumt hatten? Was bedeutete es für sie und ihr Leben, dass Jesus gekreuzigt, ihnen als Auferstandener erschienen und vor ihnen in den Himmel entrückt worden war?
Ist das nicht gut nachvollziehbar?

Doch ich zögere: Das steht so gar nicht in unserem Predigttext und auch nicht im vorausgehenden ersten Kapitel der Apostelgeschichte. Dort wird berichtet, wie die Jünger über den Tod ihres ehemaligen Gefährten Judas sprachen und einen Nachfolger für ihn bestimmten. Anders als nach dem Tod vor der Auferstehung Jesu (z.B. Joh. 20,19) wird nicht erzählt, dass sie sich voller Furcht hinter verschlossenen Türen versammelt hatten.

Jetzt diskutierten und organisierten sie, ordneten das Geschehene ein in das, was sie aus dem Studium der Schriften und den Erfahrungen mit Jesus verstanden hatten, rangen darum, wie es weitergehen sollte. Möglicherweise half ihnen dieses Tun, mit der nun entstandenen Ungewissheit umzugehen: Sie flüchteten sich in Aktivismus, weil sie nicht wussten, was sie wirklich tun sollten. Möglicherweise gingen sie auch davon aus, dass dies nun ihr neues Leben sein würde: eine Gruppe von Menschen, die eine intensive Erfahrung teilten, und die nun gemeinsam nach Wegen suchen musste, wie es weitergehen würde, wie sie das umsetzen konnten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte.

Und so saßen sie zusammen und vertrauten darauf, dass Gott ihnen beim Losen den rechten Nachfolger für Judas zeigen würden. Doch darüber hinaus rechneten sie offenbar nicht mit Gottes Wirken: mit dem Rauschen, das das Haus erfüllte, den züngelnden Flammen, die sich auf ihre Häupter setzten, den Geistesgaben, mit denen sie plötzlich Menschen unterschiedlichster Sprache und Herkunft nahe bringen konnten, wovon ihr Herz brannte.

Mitten in ihr Planen und Tun platzt der Heilige Geist. Ein wenig schmunzle ich: Kenne ich es nicht auch aus unserem Alltag, von unseren Sitzungen, dass wir gerne um Gottes Geist bitten, aber doch sehr überrascht wären, wenn er an anderer als der vorgesehenen Stelle 'funken schlagen' würde?

Offenbar setzte das Gefühl, Gottes Eingreifen planen zu können, schon früh ein: Irgendwie muss das Leben ja weitergehen, müssen wir ja handeln, auch, wenn wir nicht recht wissen, wie.

Ob die Jünger nun aus schierer Verzweiflung sich in Aktivismus flüchteten oder in der Erwartung, nun eben selbst entscheiden zu müssen, Gott schrieb auf ihren - vielleicht auch krummen - Linien sein Evangelium weiter.

Er ließ sie erzählen von Jesu Zuwendung zu den Armen und Schwachen, von seinem Herz für Heil und Gerechtigkeit, von seiner Sehnsucht nach Zuwendung und Vertrauen. Er ließ sie ringen um eine Gemeinschaft, in der spürbar wurde, wie das Reich Gottes Wirklichkeit werden könnte. Er ertrug ihre Fehlschläge und litt mit ihnen, wo sie aneinander und an Anderen schuldig wurden, so wie er es bis heute mit uns macht.

Und doch erscheint unter aller menschlicher Unvollkommenheit immer wieder dieser Geist, der Menschen neuen Mut gibt, neue Gedanken, neue Worte, neue Kraft, der neue Wege finden lässt und Heil bringt.

Immer wieder erleben wir Gemeinschaft, die zu einem heiligen, heilsamen Ort wird, an dem wir, so unterschiedlich wir sind, nebeneinander und miteinander daheim sein und Heimat schaffen können, so, wie Jesus es uns verheißen hat.

Diese Erfahrungen können uns Mut machen, auf das Wirken von Gottes Geist in unserem Leben zu vertrauen, es zu erwarten. Sie lassen uns spüren: Gottes Geist ist unter uns lebendig. Wir müssen Verantwortung für unser Tun und Leben übernehmen. Aber wir müssen nicht in Aktivismus ausbrechen, uns selbst und die Welt nicht im Alleingang retten. Wir können darauf vertrauen: Gottes Geist bewegt uns, unsere Herzen, unsre Seelen, unsere Phantasie. Und er nimmt Andere mit, wenn wir ihnen und ihm die Zeit lassen, zu wirken, sich auszubreiten:

"Komm, Sturm. Zerreiße die Wolken der Traurigkeit.
Lass uns die Sonne sehen.

Komm, Atem des Lebens. Hauche uns an, damit wir unsere Gräber verlassen und auferstehen aus Trägheit und Angst.

Komm, Feuer. Taue das Eis auf in unseren Herzen.
Erwärme uns für dich und füreinander.

Komm, Heiliger Geist. Wärme, belebe, bewege uns."

Frohe Pfingsten. Amen

Ÿ  Lied: Neue Lieder Plus 105 / Gotteslob 346, 1-3:
Atme in uns, Heiliger Geist

Ref: Atme in uns, Heiliger Geist, brenne in uns, Heiliger Geist,
wirke in uns, Heiliger Geist. Atem Gottes komm!

1. Komm du Geist, durchdringe uns, komm du Geist, kehr bei uns ein. Komm du Geist, belebe uns, wir ersehnen dich. Refrain

2. Komm du Geist, der Heiligkeit, komm du Geist der Wahrheit. Komm du Geist der Liebe, wir ersehnen dich. Refrain

3. Komm du Geist, mach du uns eins. komm du Geist erfülle uns. Komm du Geist und schaff uns neu, wir ersehnen dich.

 

 

Ÿ  Fürbitten, Vater Unser

Als in der Woche vor Ostern immer unsicherer wurde, was auf uns alle und im besonderen auf die Menschen in den Fachkliniken in Wangen zukommen würde, haben wir Klinikseelsorgende den Mitarbeitenden und den Patienten zugesagt, täglich für sie und uns alle zu beten, und sie eingeladen, mitzumachen, jeder an seinem Ort. Und mancher in der Verwaltung, auf den Stationen, in den Zimmern, hat sich angeschlossen.

Vielleicht möchten auch Sie sich heute beteiligen:

Du, Gott, Liebhaber des Lebens,

wir danken dir, dass du uns geschaffen und bis heute bewahrt hast,

wir danken dir für all die Menschen, die unser Leben ausmachen
und für deine ganze Schöpfung.

 

Wir bitten dich für die Menschen, die krank sind,
die Angst haben oder einsam sind:

Schenke ihnen Kraft und Trost
und lass sie deine Nähe spüren.

 

Wir bitten dich für die Menschen, die sich für die Kranken und Bedürftigen einsetzen,
für die Rettungskräfte, die Ärzte und Pflegenden:
Segne ihr Tun, steh ihnen bei,
versöhne sie mit ihren Grenzen.

 

Wir bitten dich für die Menschen, die erschüttert sind
aus Sorge um ihre Angehörigen oder ihre Existenz:

Tröste sie, gib ihnen Halt und neue Zuversicht.

 

Wir bitten dich für die ganze Menschheit,
für deine ganze Schöpfung:

Durchdringe alles Leid, allen Schmerz, allen Tod
mit deiner Liebe.

 

Wir bitten dich für uns alle, hier in diesem Haus
und in den Beziehungen, die uns ausmachen:

Lass uns Verständnis füreinander haben,
lass uns spüren, was wir voneinander brauchen
und was wir einander geben können.

 

Ich bitte dich für mich selbst:

Du weißt, was mich bewegt, was mich umtreibt,
wo ich an die Grenzen meiner Kraft komme.
Lass mich Ruhe finden in dir.

 

Wir loben dich, du lebendiger Gott,

du Durchbrecher aller Bande,

du Sieger über den Tod.

 

Gemeinsam mit allen, die ihr Vertrauen auf dich setzen, bitten wir:

 

Vater unser im Himmel!

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Ÿ  Segen

 

Der lebendige Gott

lasse zu deiner Erfahrung werden,

was er dir zugesagt hat:

bei dir zu sein in Angst und Unsicherheit,

zu dir zu stehen in Ausweglosigkeit und Verlassenheit,

dich zu trösten, wenn du bekümmert bist,

sich deine Bedürftigkeit zu Herzen zu nehmen, was immer auf dir lastet.

Er schenke dir, was du dir selbst nicht geben kannst:

wachsendes Vertrauen mitten in den Widersprüchen des Lebens.

 

So segne dich, uns und alle Welt Gott, Vater, Sohn, Heiliger Geist. Amen.

 

Ÿ  Schlusslied: EG 171,1-4 Bewahre uns, Gott

 

1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns auf unsern Wegen.
Sei Quelle und Brot in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen,

 

2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten,

 

3. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen,

 

4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unsern Wegen.

 

Komm, Heiliger Geist. Wärme, belebe, bewege uns."

Mit Worten von Karl-Heinz Ronecker wünsche ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, frohe, bewegende, belebende Pfingsten.

franziska.muellerdontospamme@gowaway.elkw.de

 

 

Lesepredigt für den Sonntag Exaudi – 24.5.2020 – Predigttext Jeremia 31,31-34

Zum Lesegottesdienst am Sonntag „Exaudi“ heiße ich Sie alle herzlich willkommen.

Der Sonntag „Exaudi“ ist nach dem bittenden Psalm Vers „Herr, höre meine Stimme“ benannt und vor allem von Erwartung/Warten geprägt.

Der Wochenspruch für diese Woche lautet:

„Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“

Unser Beten und Singen, unser Nachdenken und Schweigen geschehe im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

Lied: 440, 1-4

All Morgen ist ganz frisch und neu

Psalm 27 - EG 714:

Der Herr ist mein Licht und mein Heil;

vor wem sollte ich mich fürchten?

Der Herr ist meines Lebens Kraft;

vor wem sollte mir grauen?

Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:

dass ich im Hause des Herrn bleiben könne

mein Leben lang,

zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn

und seinen Tempel zu betrachten.

Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes

und erhöht mich auf einen Felsen.

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;

sei mir gnädig und erhöre mich!

Mein Herz hält dir vor dein Wort:

»Ihr sollt mein Antlitz suchen.«

Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,

verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!

Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht

und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,

aber der Herr nimmt mich auf.

Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde

die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.

Harre des Herrn!

Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

Ehr sei dem Vater

Eingangsgebet

Gott, Liebhaber des Lebens,

hier bin ich,

suche Deine Nähe.

Du weißt um das Vielerlei

meiner Gedanken,

meiner Sorgen.

Bei Dir wird meine Seele ruhig - sagt man.

Erfülle mich mit diesem, deinem Frieden,

mit Kraft und Mut für jeden Tag.

Nicht Angst und Sorge,

nicht Pessimismus,

nicht „Grübeln“ und Bruddeln,

sollen mein Leben bestimmen,

sondern die Gewissheit und Zuversicht:

Nichts kann mich von Deiner Liebe trennen.

Dir dürfen wir das nun in der Stille anvertrauen,

du in uns Menschen verliebter Gott.

Stilles Gebet

Herr, gib mir ein Herz für dein Wort,

und ein Wort für mein Herz…. AMEN

Schriftlesung: Apostelgeschichte 1,8-14

Wochenlied: O komm, du Geist der Wahrheit (EG 136)

1. O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein,

verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.

Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,

dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

2. O du, den unser größter Regent uns zugesagt:

komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt.

Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit

die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.

Predigt zu Jeremia 31,31-34

Warten, liebe Gemeinde, … warten:

· Das Warten der Jüngerinnen und Jünger zwischen Karfreitag

und Ostern war ein anderes, als das Warten zwischen Himmelfahrt und Pfingsten.

· Einmal starr/gelähmt vor Angst und jetzt zwischen Himmelfahrt und Pfingsten:

„Sie hielten einmütig fest am Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

Warten:

· Das Warten – Er/warten - vor und während des Lockdowns war/ist ein anderes, als das Warten – Er/warten – jetzt in der Zeit der Lockerungen.

Warten:

· Wir haben und werden auch weiterhin alle unsere Erfahrungen mit Warten machen.

Der heutige Sonntag Exaudi ist der Tag zwischen Himmelfahrt (40 Tage nach Ostern)

und Pfingsten (50 Tage nach Ostern).

Die elf Jünger, und Frauen sind auch dabei, Maria Magdalena und Johanna und Maria,

die Mutter Jesu, und seine Brüder. Sie sitzen zusammen.

So erzählt der Evangelist Lukas in der Apostelgeschichte. Und beten.

Im Lukasevangelium steht gar, dass Sie nach Christi Himmelfahrt mit „großer Freude … waren und allezeit Gott preisen.“

Sie warten darauf, dass sich erfüllt, was Jesus versprochen hat:

„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen,

der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein.“

Der Heilige Geist ist aber noch nicht gekommen.

Also warten sie.

Und hoffen.

Und vertrauen.

Und beten.

Schöne Erfahrungen im Rücken.

Große Verheißung im Ohr.

Und im Herzen. „Siehe, es kommt die Zeit.“

Eine Seite von Glauben heißt: Warten – er/warten:

Warten können – Geduld – ist wichtig.

Warten…

Walter Mischel hat in seinem berühmten „Marshmallow- Test“

die durchaus positive Seiten der Fähigkeit, warten zu können, dargestellt:

Er setzte Kinder, denen er einen Marshmallow gab,

alleine in einen Raum.

Er versprach ihnen eine weitere Süßigkeit, wenn sie das Marshmallow bis zu seiner Rückkehr nicht essen würden. Er kehrte einige Minuten später zurück und stellte fest, dass einige Kinder das Marshmallow angeknabbert oder ganz gegessen hatten.

Der zweite Teil des Tests folgte Jahre später, als sich Michel erneut bei den damaligen Kindern meldete. Er wollte wissen, wie erfolgreich diese inzwischen im College und privaten Leben waren.

Das Ergebnis: Die Kinder, die warten konnten, waren erfolgreicher und zielstrebiger als die Kinder,

welche die Süßigkeit sofort gegessen hatten.

Geduld würde sich also in vielen Lebensbereichen auszahlen:

· Wer warten könne, nehme beispielsweise eine längere Ausbildung in Kauf und bekäme anschließend einen besseren Job.

· Auch hätte ein Mensch, der besser warten kann, eher Chancen, in der Wirtschaft oder auf dem Finanzmarkt Fuß zu fassen.

· Ein geduldiger Mensch gibt nicht nach der ersten Niederlage auf, sondern entwickelt lieber Strategien für einen langfristigen Gewinn, indem er auf die Erfahrungen anderer baut.

· Weiterhin fördere Warten die Kreativität und stimme fröhlicher – nicht umsonst gibt es den Begriff der „Vorfreude“.

Die positiven Seiten des Wartens – die negativen gibt es selbstredend auch:

„… den Zeitpunkt verpennen“, „… Schlimmes erwarten…“, „die Geduld verlieren…“, „zermürbt werden vor warten…“.

Lesen wir den Predigttext für den heutigen Sonntag, Jeremia 31,31-34

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr:

Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: „Erkenne den Herrn“ denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

1. „Siehe, es kommt die Zeit.“ Glauben heißt Warten - Gar nicht so einfach.

Kann mir gut vorstellen, wie damals das Volk Israel, als es in Gefangenschaft in der Verbannung in Babylon war gegenüber Gott, gegenüber dem Propheten Jeremia voll Unmut, Wut und Ungeduld waren:

· Wir wollen nicht mehr warten.

· „.... wo bist du lieber Gott?“

· Wir wollen nicht mehr warten.

· Wir wollen „Jetzt“, „Sofort“.

· Das ist unser Recht.

· Wir sind das Volk. … dein Volk Gott …!

· Ungeduld wird laut.

· Lässt sich nicht zügeln und verhindern.

· Bricht aus und wird hörbar.

„Siehe, es kommt die Zeit.“

Die Menschen aus dem Volk Israel. 600 Jahre vor Christus. Eine grausame politische Niederlage mussten sie hinnehmen. Die Stadt Jerusalem war verwüstet. Der Tempel zerstört.

Leben findet in der Fremde statt oder in Trümmern. Es gibt keine konkrete Aussicht. Wenig Hoffnung. Vielleicht die Ahnung: Wir sind selbst schuld, wir haben unserem Gott nicht vertraut, obwohl wir uns immer und immer wieder daran erinnern, wie er geholfen hat.

In aussichtsloser Lage.

Wie er uns gerettet und befreit hat.

Vor einem übermächtigen Feind.

Aus Sklaverei und Unterdrückung.

Auf einem langen und mühsamen Weg hat er uns durch die Wüste geführt.

Er war da und er hat uns begleitet.

Aber wir haben uns abgewendet.

2. „Siehe, es kommt die Zeit.“ - Können wir warten?

Warten, weil wir glauben.

Warten, weil wir vertrauen.

Warten, weil wir für andere - eigene Opfer - bringen?

„Siehe, es kommt die Zeit.“

Weil gleichwohl gilt:

· Das Leben ist eingeschränkt – immer mal wieder auch ohne Corona.

· Es ist bedroht – muss man kein Klinikseelsorger von drei Rehakliniken sein.

· Fragen tauchen auf und bedrängen den Glauben.

· Wo ist Gott?

· Warum hilft er nicht, jetzt?

· Sofort?

Können wir zulassen, dass wir so oder so keinen Haken hinter Gottes Verheißung machen: Erfüllt!

Sondern warten – wie das Volk Israel?

„Siehe, es kommt die Zeit.“

Es kommt etwas, das jetzt noch nicht da ist.

Es ist keineswegs alles gut.

Die großen Verheißungen Gottes stehen aus.

Auch für uns.

Auch für mich.

Wir stehen neben dem Volk Israel, welches mich beten lässt

mit den Worten Israels aus Psalm 27:

„HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe;

sei mir gnädig und antworte mir!“

Ich vermisse die offene Gemeinschaft.

Den gemeinschaftlichen Gesang.

Den guten Austausch beim Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst.

Die Nähe...

Aber: Es geht jetzt – noch - nicht.

Aus gutem Grund.

Es gibt manchmal kein: Jetzt. Sofort.

Warten – in verschieden Phasen des Lebens:

· So ist das Leben – C’est la vie

· Es gehört zu meinem Glauben dazu.

· Zu warten.

· Dass Gottes Verheißung sich erfüllt.

· Und das Leben bestimmt.

3. „Siehe, es kommt die Zeit.“ - Und dann glauben wir nicht nur.

Dann sprechen und bekennen wir nicht nur.

Dann erleben wir.

Dann ist Gottes Nähe nicht bloß in Büchern.

Nicht bloß im Kopf und auf den Lippen.

Sondern im Herzen.

Und darum im ganzen Menschen.

Was in meinem Herzen wohnt, bestimmt mein Leben.

Was ich denke.

Was ich glaube.

Was ich hoffe,

Worauf ich mich freue.

Wenn ich liebe.

Was ich liebe.

„Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben“

Wie gut, dass du, Gott, diese Verheißung wahrmachst.

Du – Gott – und wir sind nicht „per Sie“.

Du – Gott - Ich vertraue dir.

Du hast eine Zukunft für mich,

auch wenn ich jetzt so manches nicht sehe.

Du – hälst das aus Gott- meine Zweifel,

meine Ungeduld,

meine Forderungen,

meine Enttäuschungen.

Du – der mich geduldig hoffen lässt auf die Erfüllung deiner Verheißungen:

„Siehe, es kommt die Zeit.

„HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe;

sei mir gnädig und antworte mir!“

Warten,

liebe Gemeinde, … warten:

Die Psychologie sagt:

Wer warten könne,

der sei erfolgreicher und zielstrebige – fokussierter.

Daher gilt für Ungeduldige:

Lieber einmal tief durchatmen und sich ablenken, bevor geschimpft wird.

In einer Schlange (zum Beispiel) lassen sich beispielsweise durchaus Freundschaften schließen – vielleicht mit dem wartenden Hintermann?

Gemeinsames Warten fällt leichter und stimmt fröhlicher.

Natürlich ist auch gegen ein wenig Tagträumen nichts einzuwenden – solange das anstehende Ereignis nicht versäumt wird.

Unser Predigttext verheißt:

Ihr werdet die Kraft - und nicht nur dafür

Lesesgottesdienst zu Christi Himmelfart, Pfarrer Friedemann Glaser, Kißlegg

„Nicht wo der Himmel ist, ist Gott, sondern wo Gott ist, ist der Himmel“, hat der Theologe Gerhardt Ebeling einmal geschrieben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie im Gottesdienst an Himmelfahrt – wo immer Sie ihn feiern - Gottes Nähe spüren und damit auch ein Stück Himmel auf Erden.

Worte aus dem Johannesevangelium (12,32) stehen über diesem Himmelfahrtstag: „Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ Amen

Lied: EG 551,1-6 „Wo einer dem andern neu vertraut“

Eingangsgebet und Stilles Gebet:

Herr Jesus Christus,

dir ist gegeben alle Gewalt

im Himmel und auf Erden.

Darum bitten wir dich:

Entmachte die gottlosen Mächte,

die das Leben zerstören.

Gib uns deinen Heiligen Geist,

damit wir dich hören, dein Wort annehmen

und den rechten Glauben bewahren.

Lass uns für dich leben, mit dir einst sterben

und durch deine Kraft aufgenommen werden

in das Reich deines Vaters, mit dem du lebst und regierst in Ewigkeit.

Wir beten weiter in der STILLE.

 Herr Jesus Christus, du bist zum Vater gegangen

und von ihm zum Herrn gesetzt über alles.

Unseren Augen bist du verborgen und doch bist du uns allezeit nahe,

damit wir im Vertrauen auf dich leben können

und von dir ins ewige Leben geleitet werden.

Dich loben wir vereint mit der ganzen Christenheit und den himmlischen Chören.  Amen

Schriftlesung:

Wir hören aus der Apostelgeschichte (1,1-14) die Erzählung von der Himmelfahrt Jesu:

1 Den ersten Bericht habe ich gegeben, lieber Theophilus, von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehrte

2 bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gegeben hatte.

3 Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.

4 Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr - so sprach er - von mir gehört habt;

5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.

6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?

7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;

8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und bin ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

9 Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen.

10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.

11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der Ölberg heißt und nahe bei Jerusalem liegt, einen Sabbatweg entfernt.

13 Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus.

14 Diese alle hielten einmütig fest am Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

 

Lied: EG 123,1+3+4+6 „Jesus Christus herrscht als König“

Predigt über Johannes 7,37-39

Als Predigttext hören wir aus dem 7. Kapitel des Johannesevangeliums die Verse 37-39 nach der Basisbibel:

37 Am letzten Tag,dem Höhepunkt des Festes,stellte sich Jesus hin und rief mit lauter Stimme:

„Wenn jemand Durst hat, soll er zu mir kommen und trinken –

38 jeder, der an mich glaubt. So sagt es die Heilige Schrift:

›Ströme von lebendigem Wasser werden aus seinem Inneren fließen.‹

39 Jesus bezog dies auf den Heiligen Geist. Den sollten die erhalten, die zum Glauben an ihn gekommen waren. Denn der Heilige Geist war damals noch nicht gekommen, weil Jesus noch nicht in Gottes Herrlichkeit aufgenommen war.

Liebe Gemeinde!

Haben Sie noch den Durchblick, was in Zeiten der Corona-Pandemie schon wieder erlaubt und was noch verboten ist? Und fragen Sie sich auch manchmal, ob das, was schon wieder möglich ist, auch wirklich richtig ist, oder ob man besser mit den Lockerungen der Infektionsschutzmaßnahmen hätte warten sollen? Ich gestehe, dass ich immer wieder verunsichert bin und oft schwanke: Ist eher immer noch Vorsicht geboten oder müssten wir nicht gerade jetzt auch mehr Mut zur Freiheit haben?

Irgendwie befinden wir uns in einer merkwürdigen „Zwischenzeit“: Uns allen ist klar, dass es kein einfaches Zurück mehr vor die Zeit von Corona geben wird. Zugleich aber wissen wir noch nicht, wie eine neue „Normalität“ aussehen könnte. Wir können uns da nur langsam vortasten …

Ich stelle mir vor, dass die Jüngerinnen und Jünger Jesu zwischen Ostern und Pfingsten auch in einer Art „Zwischenzeit“ gelebt haben. Eine Phase, in der sie sich neu sortieren mussten, ohne schon recht zu wissen, was aus ihnen werden sollte oder wie ihr zukünftiger Auftrag aussehen würde. Die Freundinnen und Freunde Jesu hatten an Ostern etwas vollkommen Neues erlebt: Jesus war von den Toten auferweckt worden. Das Grab konnte ihn nicht festhalten. Gott hat seinen Sohn mit neuem, unvergänglichem Leben beschenkt. Und mehr noch: Jesus verheißt ihnen, dass auch sie Anteil an diesem neuen, unvergänglichen Leben bekommen sollen. Der Tod hat ein für allemal nicht mehr das letzte Wort über uns. Was für eine Freudenbotschaft!

Es fällt freilich auf, wenn wir die Erzählungen der Evangelien von der Zeit zwischen Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten lesen, dass die Jüngerinnen und Jünger trotz dieser Freudenbotschaft verunsichert und voller Zweifel waren. Lag das daran, dass der auferstandene Jesus sich ihnen auch immer wieder entzog – mal mitten unter ihnen war und dann plötzlich wieder verschwunden? Oder stellt die Auferstehung von den Toten den Lauf der Welt derart auf den Kopf, dass es einfach über das Begreifen seiner Jüngerinnen und Jünger ging? Oder waren sie zu Recht auch skeptisch, weil sich doch trotz Ostern in der Welt scheinbar nichts verändert hatte: Nach wie vor gibt es Krieg und Streit, nach wie vor schreit der Unterschied zwischen Arm und Reich zum Himmel, nach wie vor müssen Menschen vor der Zeit sterben und bleiben ihre Lieben verzweifelt zurück, nach wie vor leidet die Schöpfung. Soll man da den Jüngerinnen und Jüngern Jesu einen Vorwurf machen, wenn sie zögerten, sich ganz auf das grundstürzend Neue von Ostern einzulassen?

Die Freundinnen und Freunde Jesu brauchten diese Zwischenzeit von Ostern über Himmelfahrt bis Pfingsten, um wirklich zu begreifen und anzunehmen, was ihnen da mit der Auferstehung Jesu von den Toten geschenkt wurde. Ganz langsam tasten sie sich an Himmelfahrt zur Erkenntnis vor, dass Jesus nun ganz bei Gott ist, um uns die Wohnung zu bereiten, wie es das Johannesevangelium verheißt. Und erst mit der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten wird aus der verunsicherten Schar der Jüngerinnen und Jünger eine begeisterte Bewegung, die die Osterbotschaft in die ganze Welt hinausträgt ohne jede Furcht vor den Menschen. Ohne den Geist Gottes gelingt es nämlich auch uns nicht, unseren Glauben und unsere Lebenswirklichkeit miteinander in Verbindung zu bringen. Darum können wir als Christinnen und Christen immer wieder nur bitten: „Vieni creator spiritus! – Komm, Schöpfer Geist!“

Liebe Gemeinde!

Wie kein anderes der vier Evangelien hat Johannes gerade die Menschen im Blick, die sich selbst in einer „Zwischenzeit“ erleben. Christinnen und Christen, die der Osterbotschaft glauben und zugleich nach Osterspuren in unserer oft so dunklen, ja todesverfallenen Welt suchen. Deshalb spricht Jesus uns im Johannesevangelium oft Vergewisserungen zu und ermutigt uns, ihm gegen allen Augenschein doch zu vertrauen.
Unser Predigttext erzählt vom Laubhüttenfest in Jerusalem, an dem auch Jesus wie jeder fromme Jude damals teilgenommen hat. Sukkot ist eigentlich ein Erntedankfest im Herbst, aber es wird verbunden mit der Erinnerung an die Wüstenwanderung des Volkes Israel. Deshalb lebt man für eine Woche in provisorischen Hütten – so wie die Mütter und Väter damals in Zelten.

So ist das Laubhüttenfest eigentlich auch eine Erinnerung an eine „Zwischenzeit“, denn das Volk Israel war damals zwar befreit worden aus der Sklaverei in Ägypten, aber es war noch nicht im verheißenen Land angekommen. Auch die Israeliten mussten also damals erst ihren Weg als freie Töchter und Söhne Gottes finden – mitten in den Gefahren der Wüste.

Höhepunkt des Laubhüttenfestes im Jerusalemer Tempel war zur Zeit Jesu die Wasserspende. Aus der Siloah-Quelle wurde Wasser geschöpft und im Tempel über dem Altar ausgegossen. Dieses Wasser versickerte über einen Kanal unter dem Tempel, wo nach jüdischem Glauben der Urstrom des Wassers fließt, mit dem Gott, der Schöpfer, einst das Land überhaupt erst fruchtbar gemacht hat. Mit der Wasserspende bitten die Priester, dass Gott auch im kommenden Jahr Regen senden möge, damit eine neue Ernte wachsen kann. Und der Prophet Hesekiel verheißt in einer großartigen Schau, dass dieses Wasser aus dem Tempel am Jüngsten Tag sogar das Tote Meer verwandeln und lebendig machen wird.

Diesen Hintergrund des Laubhüttenfestes und der Tradition des Wasserschöpfens müssen wir kennen, um die Ungeheuerlichkeit zu begreifen, mit der Jesus auf dem Höhepunkt der Feierlichkeiten in Jerusalem auftritt. Denn Jesus behauptet von sich nichts weniger, als dass er die lebensspendende Quelle sei, und lädt alle Lebensdurstigen ein, von diesem Wasser zu trinken. Wer Jesus vertraut, der hat Anteil an der Lebensenergie Gottes. Wer sich auf seinen Weg einlässt, dem wird Fruchtbares geschenkt werden und der wird Gutes ernten können. Immer wieder stellt sich Jesus uns im Johannesevangelium als Quelle des Lebens vor: Als Brot des Lebens, als Weg, Wahrheit und Leben, als Auferstehung und Leben. 

Damals hat Jesus Anstoß erregt, weil er mit seinem Anspruch, die Quelle des lebendigen Wassers zu sein, eigentlich den ganzen Tempelgottesdienst in Frage gestellt hat: Nicht die Teilnahme am Wasserschöpfen beim Laubhüttenfest verspicht Leben in Fülle, sondern allein die Beziehung zu Jesus. Wir ahnen, warum es damals zum Konflikt zwischen ihm und der religiösen Obrigkeit gekommen ist. 

Aber ich bin überzeugt, dass Jesus mit diesem Anspruch, die Quelle wahren Lebens zu sein, auch heute bei uns Ärger bekommen würde. Denn der herrschende Zeitgeist sagt doch: Ich allein bin meines Glückes Schmied. Gelingendes Leben kann und muss ich mir selbst schaffen. Ich muss mich immer wieder neu selbst erfinden, damit ich einmalig und unverwechselbar bin. Um mit anderen mithalten zu können, muss ich ständig bereit sein, über meine eigenen Grenzen zu gehen. Konkurrenten um den Platz an der Sonne muss ich wegbeißen. Was ich erreicht habe und besitze, muss mit allen Mitteln festgehalten und verteidigt werden.

Wer aber glaubt, gelingendes Leben derart herbeizwingen zu können, der wird es verfehlen. Der wird vor lauter Leistungsdruck zugrunde gehen. Und am Ende einsam bleiben, weil er niemandem mehr vertrauen kann. Liebe und Glück, innere Ruhe und Zufriedenheit können uns letztlich nur geschenkt werden. Gelingendes Leben muss uns zufallen, wir können es nicht „machen“. Andrea Schwarz schreibt einmal sehr schön: „Manchmal / träume ich davon / dass ich nicht immer / nur blühen muss / sondern Zeit / Ruhe habe / um Kraft für neue Triebe / zu sammeln“. Das aber verspricht uns Jesus.

Wenn er uns Lebensdurstige zu sich als der Quelle lebendigen Wassers einlädt, dann verheißt er uns ein Leben, in dem wir uns die Erfüllung eigener Sehnsüchte nicht krampfhaft erkämpfen müssen, sondern offen werden für das Unerwartete und Unverhoffte, das Christus uns schenken will. Gelassen werden und genießen können, was uns beschert wird, statt dauernd nach dem nächsten Kick zu schielen und ständig den Starken markieren müssen. Frei sein für andere und ihnen etwas Gutes tun. Und dann spüren, dass die Liebe zum Nächsten mir selbst guttut. Mich selbst annehmen mit meinen Stärken und Schwächen, weil ich mich von Jesus geliebt weiß. Und dann auch die anderen so stehenlassen können, wie sie sind, weil auch sie zu den Kindern Gottes gehören. Unser Durst nach Leben wird gestillt, wo wir uns diesem Jesus anvertrauen – dauerhaft und wahrhaftig. Dafür steht Jesus ein.

Liebe Gemeinde!

Noch warten die Jüngerinnen und Jünger Jesu nach Himmelfahrt auf die Ausgießung des Heiligen Geistes. Sie leben in einer Art „Zwischenzeit“. Aber der Geist, so sagt es das Johannesevangelium, wird sie ermutigen, den Weg Jesu weiterzugehen und ohne Furcht Neues zu wagen. Eine Zwischenzeit, die uns einlädt, erste vorsichtige Schritte in Richtung auf das verheißene Land zu machen und vom unvergänglichen Leben zu träumen, das Jesus uns zugesagt hat. Ein Gedicht von Rose Ausländer beschreibt das so:

„Ich glaube an die Wunder / dieser Welt und der unendlichen / unbekannten Welten /

Ich glaube / an das Wunder der Träume /

Träume im Schlaf / und im Wachen /

Ich glaube an die Wunder / der Worte / die in der Welt wirken / und die Welten erschaffen /

Ich glaube / an dich / Lebensbruder“

Amen

 

Lied: Neue Lieder Plus 125 „Du bist heilig, du bringst Heil“ (2 X gesungen)

Du bist heilig, du bringst Heil,

bist die Fülle, wir ein Teil

der Geschichte, die du webst,

Gott, wir danken dir, du lebst

mitten unter uns im Geist,

der Lebendigkeit verheißt,

kommst zu uns in Brot und Wein,

schenkst uns deine Liebe ein.

Du bist heilig, du bist heilig,

du bist heilig. Alle Welt schaue auf dich.

Halleluja, Halleluja,

Halleluja. Amen

Fürbittgebet und Vaterunser:

Wir wollen Fürbitte halten. Nach den Worten „Wir bitten dich“ stimmen wir ein in den dreifachen Ruf: „Kyrie eleison – Christe eleison – Kyrie eleison!“

Gott, du Quelle des Lebens!

Du hast uns zu Kindern des Himmels berufen,

du hast uns diese Erde anvertraut,

du hast uns zu deinem Ebenbild erschaffen.

Gib deiner Kirche Einheit in Jesus Christus.

Sprich durch deine Kirche zu den Menschen.

Tröste durch sie die Verzweifelten.

Rette durch sie die Bedrohten.

Wirke durch sie Versöhnung.

Segne durch uns die Welt.

Wir bitten dich: Kyrie eleison – Christe eleison – Kyrie eleison!

 

Gib den Mächtigen Ehrfurcht vor dir und deinen Geschöpfen.

Leite sie auf den Weg der Gerechtigkeit.

Erfülle ihre Herzen mit Barmherzigkeit.

Mache sie zu Tätern des Friedens.

Gib Frieden für die Menschen in den Kriegsgebieten dieser Welt.

Zerbrich die Waffen. Bezähme die Rache.

Vergib uns.

Wir bitten dich: Kyrie eleison – Christe eleison – Kyrie eleison!

 

Gib deinen Geschöpfen Trost und Leben.

Steh den Trauernden bei.

Heile die Verletzten.

Ermutige die Verstörten.

Lass uns die Hoffnung auch in den Zeiten der Corona-Pandemie nicht verlieren.

Segne die Felder, die aufgehende Saat,

das aufbrechende Grün, unsere Arbeit.

Nimm unsere Kinder unter deinen Schutz.

Wir bitten dich: Kyrie eleison – Christe eleison – Kyrie eleison!

Du hast uns den Himmel geöffnet.

Du zeigst uns deine Liebe.

Du bist Leben.

Komm zu denen, die wir lieben.

Komm zu denen, die dich lieben.

Komm zu uns durch Jesus Christus.

 In seinem Namen beten wir gemeinsam:

Vater unser im Himmel …

 

 Lied: EG 594,1+3+6 „Herr, wir stehen Hand in Hand“

 Segen:

Der HERR segne uns und behüte uns!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig!

Der HERR erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden! Amen

Lesegottesdienst zum Sonntag Rogate, 17.05.2020

Zu diesem Lese - Gottesdienst am Sonntag Rogate heiße ich sie alle herzlich willkommen. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Andacht. „Betet“ - das ist die Aufforderung des Sonntages an uns. Und diese Aufforderung zum Gebet ist begleitet von der Verheißung unseres Wochenspruches: „Gelobt sei der Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.“ Unser Beten und Singen, unser Nachdenken und Schweigen geschehe im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

Lied 166, 1-3 Tut mir auf die schöne Pforte

Psalm 8 Was ist der Mensch, Herr, dass du dich seiner annimmst? Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel! Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen. Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan: Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht. Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen! 

Eingangsgebet

Vater, Jesus Christus hat uns gelehrt, dich so anzurufen: Gott, unser Vater ! Du willst, dass allen Menschen geholfen wird, und siehst oft besser als wir, was zu unserem Frieden dient. Darum wenden wir uns mit unseren Gebeten an dich: Lass unser Leben offen sein für dich, so dass du uns füllen kannst mit deinen Gaben. Das bitten wir, den Vater unseren Herrn Jesus Christus, der mit dir und dem Hl. Geist lebt und Leben schafft bis in Ewigkeit. 

Wir treten vor Gott in der Stille

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Amen.“

Schriftlesung Lukas 11, 5-13

Predigt zu Matthäus 6, 5-15 

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder, Es sind „verrückte“ Zeiten, in denen wir gerade leben. “Verrückt“ auch deshalb, weil Vieles von dem, was uns gestern noch liebegewordene Gewohnheit war und uns Sicherheit gab, heute in Frage gestellt ist. Als Klinikseelsorger kenne ich das aus Gesprächen mit Patienten, denen durch eine Krankheit alles unten den Füßen weggerutscht ist. Menschen, die nach Halt suchen. Menschen, die fragen, was denn eigentlich im Leben noch Bestand hat, 3 weil alles Liebgewordene „verrückt“ ist – nicht mehr da ist, wo es mal war. Ja, es sind „verrückte“ Zeiten: Da stellt sich ein Politiker in einer Fragestunde am 22. April vor die deutsche Presse und gibt nicht nur einen Fehler zu, sondern endet mit den Worten: „Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen.“ Einen solchen Satz würden wir unter „normalen“ Umständen nur im Rahmen einer Rücktrittspressekonferenz erwarten.

Es sind „verrückte“ Zeiten - Minister Jens Spahn ist es sicher nicht, auch wenn er etwas für Politiker Spektakuläres getan hat. Verzeihen, vergeben, das ist ein zentrales christliches Thema. Auch in dem Bibeltext, der für den heutigen Sonntag vorgeschlagen ist, Da lesen wir Matthäusevangelium im 15. Kapitel:

„Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.] Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“

Warum eigentlich beten? Was tun wir, wenn wir beten? 4 Es scheint Zeiten gegeben zu haben, als das manche taten, um gesehen zu werden, um als besonders fromm dazustehen. Diese Motivation gibt es vielleicht in anderen Bereichen immer noch, aber öffentlich beten ist doch eher selten geworden. Beten, so der gesellschaftliche Konsens, ist etwas Intimes, höchst Privates, und wenn das jemand an Orten tut, die nicht dafür vorgesehen sind, wird es peinlich. Ob das gut ist oder schlecht, will ich an dieser Stelle gar nicht beurteilen.

Wenn der Evangelist Matthäus empfiehlt, in geschützten Räumen bei verschlossener Tür zu beten, dann haben wir das schon mal ganz gut verinnerlicht. Bleibt der zweite Punkt auf der Not-To-Do-Liste: Bitte nicht plappern - nach dem Motto: Viel hilft viel. Gott zu belabern ist keine zielführende Strategie. Denn Gott weiß, worum es geht, bevor wir es aussprechen. Beten ist keine Informationsveranstaltung, keine Sammlung von Hinweisen an Gott, die er vorher übersehen hat. Bei all dem, was beten nicht ist und wie man es nicht machen soll, fragt man sich dann doch: Warum eigentlich beten?

Gott will unser Bestes. Und das nicht als anonyme Servicestation, die das Benötigte zur richtigen Zeit liefert, sondern als unser Vater. Gott will mit seinen Kindern in Kontakt bleiben – und das tut uns, seinen Kindern, gut. In der Seelsorge ist das öfters mal Thema, dass es Menschen nach dem Beten besser geht: weil sie oder er etwas losgeworden sind, weil ihnen etwas klar wurde, weil sie sich gehört fühlten. Dabei hat mir noch nie jemand gesagt: „Ich habe gebetet und danach ging es mir (noch) schlechter.“ Es gibt viele Möglichkeiten mit Gott, dem Vater, in Kontakt zu bleiben. Ich finde: Beten ist eine herrlich unkomplizierte.

Nicht zuletzt deswegen, weil wir uns beim Beten nicht an eine ferne Gottheit wenden, sondern an unseren Vater im Himmel. Stellen Sie sich nur einen Moment lang vor, es hieße nicht „Vater“, sondern „Gott“: „Gott im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“ Das könnte zu Missverständnissen führen. Geheiligt: Stör mich nicht, fass mich nicht an! Dein Wille geschehe: Welches Unglück auch immer du über mir auskübelst, du wirst dir was dabei gedacht haben, und dann ordne ich meinen Willen deinem besser unter. So ist es natürlich nicht gemeint, und weil es im Gebet „Vater“ heißt und nicht „Gott“, ist das „geheiligt“ ein freundliches Zulächeln, hinter dem sich große Gefühle verbergen, und das „dein Wille geschehe“ ist dann keine Durchhalteparole, sondern tatsächlich das Beste, was uns so passieren kann, denn das ist es, was Gott für uns will: das Beste. Er gibt uns, was wir zum guten Leben brauchen: das tägliche Brot, und er nimmt unsere Schuld von uns. Der letzte Punkt schien dem Evangelisten Matthäus besonders wichtig, er unterstreicht ausgerechnet diesen Halbsatz aus dem Vaterunser doppelt:

„Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“

Ohne Vergebung kein Zusammenleben. Ohne Vergebung kein Frieden. Im Kleinen leuchtet das wahrscheinlich noch vielen ein – wir machen alle mal Fehler und niemand lebt wirklich gerne in einer Welt gnadenund pausenloser Abrechnung und ewiger Strafe. Im Kleinen: klar: Vergeude nicht deine Lebenszeit mit unnötigem Streit. Man wundert sich ja gelegentlich, worüber Menschen sich unversöhnlich in die Haare kriegen. Und gleichzeitig weiß ich auch, dass es bei mir selber auch so wunde Punkte und Kleinkriege gibt, über die andere 6 vermutlich nur den Kopf schütteln können. Aber selbst bei den unverzeihlichen Dingen kommt es immer wieder zu echter Vergebung: Es gibt Mütter, die haben den Mördern ihrer Kinder vergeben, natürlich nach einem langen, harten Weg und vielen Begegnungen. Für mich ist das unvorstellbar und nicht weniger als ein Wunder, aber ich sehe: Selbst das ist möglich. Ohne Vergebung kein Zusammenleben. Welchen Weg auch immer diese „verrückten“ Zeiten nehmen werden: Wir werden einander viel verzeihen müssen. Das lohnt sich. Amen.

Lied: 353, 1+2+4 Jesus nimmt die Sünder an

Fürbittgebet Unser Gott, wir vertrauen darauf, dass unser Gebet nicht verhallt, sondern als Kraft zurückkommt und wirkt. Und so bringen wir unsere Bitten vor dich. Ewiger Gott, der du alles Leben schaffst und erhältst, wir bitten dich für alle, die an deiner Seite für das Leben kämpfen und gegen den Tod: in der Medizin, in der Pflege, in der Versorgung mit dem Lebensnotwendigen. Wir bitten dich für diejenigen, zu denen auch Jesus ging: die Einsamen, die Verachteten, die Traurigen, die Ängstlichen. Alles, was wir dir sagen wollen und nicht recht in Worte fassen können, legen wir in das Gebet, das dein Sohn, unser Bruder, uns gelehrt hat und beten gemeinsam: Vater unser im Himmel ! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. 7 Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld,wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: 457, 1+10-12 Der Tag ist seiner Höhe nah

Segen: Der Herr segnet und behütet uns, der Herr lässt sein Angesicht leuchten über uns und ist uns gnädig. Der Herr erhebt sein Angesicht über uns und gibt uns seinen Frieden Amen.

Michael Mitt, Klinikpfarrer Isny,

Michael.Mitt@t-online.de

Lesegottesdienst für den Sonntag Kantate, 10.05.2020

Impulse von Vikar Samuel Stiebel, Wangen

Lesegottesdienst zum Sonntag Jubilate, Pfarrer Volker Gerlach

© Membeth, Wikimedia Commons

Hochalter Liebfrauenkirche Jüterbog

Wochenspruch

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen; siehe, Neues ist geworden.  (2. Kor 5,17)

„Jubilate – Jubelt!“  Wie leicht ist es, im Frühjahr in den Jubel der erwachenden Natur einzustimmen. Ihr Wiederaufblühen wird in der Osterzeit zum wunderbaren Sinnbild der Auferstehung. Menschen sind der Vergänglichkeit unterworfen. Und doch haben wir bereits eine Ahnung von neuem Leben. Neu zu werden ist möglich, auch hier und heute. Wer an dieser Hoffnung festhält, dem wächst Stärke zu. Und die brauchen wir nicht nur in diesen Tagen und Wochen.  Denn wie der Weinstock seinen Trieben Kraft gibt, so haben auch Christen ihren Halt in Christus.  

 

Lied  EG 503   Geh aus mein Herz und suche Freud

 

Psalm 1     EG 702

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt, da die Spötter sitzen,

sondern hat Lust zum Gesetz des Herrn und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht.

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringet zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht, und was er macht, das gerät wohl.

Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreuet.

Darum bleiben die Gottlosen nicht im Gericht, noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Denn der Herr kennet den Weg der Gerechten, aber der Gottlosen Weg vergehet.

 

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.  Amen.

 

Bibeltext

 Der wahre Weinstock – Johannes 15

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.

2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe.

3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.

4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen.

7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

 

Lied EG 398:  In dir ist Freude

 

Predigt zu Johannes 15,1-8

 

Liebe Gemeinde,

selten ist es uns so bewusst geworden, wie in den vergangenen Wochen, dass vieles, von dem wir meinten, dass es selbstverständlich sei, eben nicht selbstverständlich ist. Das Hamsterrad, in dem wir uns so oft durch die Woche bewegten, ist ins Schlingern geraten. Und doch gibt es etwas, das vor der Krise schon da war und hoffentlich jede Krise überdauert. Es ist die Liebe, die sich ausdrückt in der Verantwortung füreinander, in der Sorge um alle, die an Leib und Seele Schaden nehmen. Es ist die Liebe, die uns die anderen trotz Skype und Zoom vermissen lässt.

Von dieser Liebe, die in Jesus Gestalt gewonnen und ein menschliches Antlitz bekommen hat, redet er selbst in Bildern und Gleichnissen. Ich bin der gute Hirte, das Licht der Welt, das Brot des Lebens, der lebendige Weinstock. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Dieses Bildwort aus Johannes 15 erinnert mich an die bekannten Sätze aus dem Johannesbrief (1.Joh 4,16): Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Eine Zusage, die gilt -  bedingungslos! Unser Leben hat einen Grund, eine Wurzel, aus der es seine Kraft bekommt. Das Leben hat einen Sinn von Anfang an. Dieser will uns durchdringen, wie die Lebenskraft des Weinstocks seine Reben durchdringt. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich leben, lieben, lachen und weinen darf. Wer die Verbindung zu diesem Ursprung verliert, verliert die Verbindung zum guten Leben. Jesu Wort vom Weinstock hat etwas Tröstliches. Kurz vor seinem Abschied hat er es seinen Jüngern zugesprochen. Was immer auch geschieht, die Verbindung zu Gott, die Verbindung zur Liebe und zum Ursprung eures Lebens reißt nicht ab. Glaube heißt, diese Zusage anzunehmen, die Bejahung meines Lebens  anzunehmen, um selbst Ja sagen zu können zu meinen Mitmenschen.

Das Bild vom Weinstock und den Reben hat aber auch  noch eine andere Seite. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen.

Der Weingärtner wird jede Rebe, die keine Frucht bringt, wegnehmen. Wie passt das zusammen mit dem Bild eines Christus der sich den Schwachen zu wendet, der die Sünder einlädt und die Verlorenen sucht? Wie passt das zusammen mit einem Gott, der den glimmenden Docht nicht auslöscht und das geknickte Rohr nicht brechen wird? Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte!

Das Bild vom Weinstock kommt hier an seine Grenzen. Denn eine Rebe kann sich  nicht gegen den Weinstock entscheiden. Doch wir können Gott aus dem Blick verlieren und damit auch unseren Ursprung.

Vergesst nicht, woher euer Leben kommt, eure Hoffnung, eure Zuversicht. Das Bild vom Weinstock ist die Einladung den Grund unseres Lebens im Blick zu behalten. Es geht darum, woher wir die Kraft, das Vertrauen und die Begeisterung beziehen, die uns immer wieder aufbrechen lassen, auch nach Enttäuschungen einen neuen Anfang zu suchen, auch nach Streit und Zwietracht die Versöhnung zu wagen, auch mitten in der Krise „Trotzdem“ zu sagen. Das Bild vom Weinstock hat seine Grenzen und doch spricht es mich an. Ich weiß um die vielen großen und kleinen Dinge, die ich einem anderen zu verdanken habe und die nicht selbstverständlich sind. Ich weiß aber auch um die Tage, an denen nichts gelingen will. Tage, die ohne Frucht bleiben.

Zum Leben gehört das Nebeneinander und das Ineinander von Scheitern und Erfolg, von bedrückenden und beglückenden Erfahrungen.

Dass dieses Leben möglich ist, dass es Glaube, dass es Hoffnung, dass es Liebe gibt, nennen wir Gnade. Es steht nicht in unserer Hand. Doch wir haben eine Wurzel die uns hält und nährt mit dem was wir zum wahren Leben brauchen. Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Amen!

 

Lied EG 628  Meine Zeit steht in deinen Händen

 

Gebet für Jubilate  (Wochengebet der vereinigten Evangelisch Lutherischen Kirchen)

 

In dir bleiben, Christus. Die Kraft von dir empfangen.
Aus deiner Wurzel leben. Aufnehmen und weiterreichen, was du uns gibst. Frucht bringen.
Christus, ohne dich können wir nichts tun. Du gibst die Kraft. Aus dir strömt sie.

Gib sie denen, die müde sind,
die erschöpft sind, die sich aufreiben in der Sorge für andere,
deren Mut aufgebraucht ist, die sich fürchten vor dem, was kommt.
Du bist die Wurzel, die trägt.
Erbarme dich.

 

Du bist der Friede. Du berührst die Herzen.
Verwandle die Hartherzigen, die Kriegsherren und die Lügner.
Du bist das Glück für die Schwachen.
Erbarme dich.

 

Du bist die Liebe. Du machst alles neu. Du bleibst.
Bleib bei den Trauernden, Christus und bei den Liebenden, denn ohne dich verlieren sie sich.
Du Liebe, sprich zu uns, zu deiner Gemeinde und zu deiner weltweiten Kirche.
Bleib bei uns. Christus, ohne dich können wir nichts tun. Du bist der Weinstock.
Erbarme dich
heute und alle Tage, die kommen.
Amen.

 

All unsere Bitten und unsere Hoffnung legen wir in das Gebet, das Jesus Christus uns gelehrt hat: 

Vater unser im Himmel …

 

Lied  EG 170 : Komm, Herr segne uns  

 

Segen:

Der Herr segne dich und behüte dich. Er lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.  Der Her erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

 

 

 

 

 

 

Lesegottesdienst Misericordias Domini von Pfarrerin Tanja Götz

© Gard Altmann/Pixabay

 

Mit dem Wochenspruch aus dem Johannesevangelium grüße ich Sie herzlich. Wir lesen in Kapitel 10: Christus spricht: Ich bin der gute Hirte, meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“

 

Lied: „Er weckt mich alle Morgen“

Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Amen.

 Lesung: 1. Petrus 2, 21b-25: (…) er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Gedanken: Vor zwei Wochen waren es Hasen und Eier, die uns ins Auge sprangen – Zeichen für das sich rasch ausbreitende Leben: Der Hase und die Überwindung des Todes, das Ei, in dessen Innern unbemerkt für unsere Sinne neues Leben entstehen kann.

Mein Mann und ich haben zwei Osterlämmer geschenkt bekommen – ein gebackenes und eins aus Schokolade mit einer Siegesfahne. Osterlämmer stehen für Christus, der ohne Fehl und ohne Gegenwehr – wie ein Lamm – ans Kreuz ging und dann am Ostermorgen von Gott auferweckt wird. Das Osterlamm mit der Siegesfahne möchte uns deutlich machen: Jesu Weg ist ein anderer, als ihn diese Welt kennt. Jesu Worte und Taten erzählen davon. Und auch, wenn es nicht so scheinen mag: Er triumphiert auf diese Weise über Bosheit, Gewalt und letztlich sogar über den Tod. Luther nennt dies ein Geschehen „sub specie contraria“ und meint damit, dass sich mit dem gesamten Ostergeschehen ein Wunder ereignet, welches sich verborgen hält hinter allem Anschein. Wieder liegt -wie so oft- das Eigentliche „dahinter“. Das Wunder der Auferstehung, übrigens auch im Hier und Jetzt unseres Lebens, es will gesucht werden hinter den süßen Reden, den vermeintlich einfachen Lösungen. „Sei ein lebend`ger Fisch, schwimme doch gegen den Strom“, so heißt ein Kinderlied. Es sagt im Grunde nichts anderes als Luther mit seiner lateinischen Formulierung: Bleib wachsam, schau dahinter.

Heute ist der Sonntag dem guten Hirten geweiht. Der lateinische Name „Misericordias Domini“ geht zurück auf den Beginn der römischen Messe aus Psalm 33: „Die Erde ist voll der Güte des Herrn (Misericordias Domini). Der Himmel ist durch das Wort des Herrn gemacht.“

Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde ist derjenige, der es uns an nichts mangeln lässt. Seine Güte zeigt sich: Anders als der Mietling, der seine Herde im Stich lässt, wenn es ernst wird (Joh10,12f), bleibt Gott treu und kümmert sich zuverlässig um die ihm Anvertrauten. Die ihm Anvertrauten sind die Schafe, das sind also wir. Wir sind die Herde. Dieser Vergleich wird nicht immer gerne gehört. „Ich bin doch kein Schaf“, ist eine häufige Reaktion.

Wir führen unser Leben zwar lieber selbstbestimmt, lassen uns aber gleichzeitig auch gerne leiten – laufen sozusagen „in der Herde mit“: Man habe dies oder jenes nicht besser wissen können -oder so ähnlich- klingt das mitunter. Immer dann sind wir ein bisschen „Schaf“, wenn wir meinen, irgendwer anderes müsse die Verantwortung übernehmen. Auch das ist eine Art „Herdenimmunität“.

Der Predigttext für diesen Sonntag aus dem ersten Petrusbrief sagt: Das Lamm Gottes wird selbst zum Hirten und zwar zu einem guten. Jesus Christus ist dieser gute Hirte und Bischof unserer Seelen.

Er möchte uns, seiner Herde, eine besondere Immunität, besonderen Schutz geben: Den Schutz vor der Sünde – auch der des Mitläufertums im Zeitgeschehen dieser Welt, wo wir manchmal eben doch irgendwie nach Art der Schafe unterwegs sind, mitlaufen und am Ende nicht verantwortlich sein wollen für den angerichteten Schaden.

Der gute Hirte gibt auf uns Acht. Er lädt uns ein zum Dahinter-Schauen, zum Anders-Machen, zum Neu-Denken: Klimawandel, Personalpolitik, Würde der Menschen hier und andernorts. Die Liste ließe sich fortführen.

In Jesu Gegenwart sind Schafe jedenfalls ganz gewiss nicht dumm. Bei ihm sind sie keine bloßen Mitläufer. Sie sind vielmehr „Salz der Erde, Licht der Welt“. In diesem Sinne ist es doch dann ganz gut, von Herzen gerne „Schaf“ zu sein. Amen.

 

Gebet: Herr Jesus Christus, mühsam nur können wir deinen Fußstapfen folgen.

Es fällt uns schwer einzugestehen, dass wir die Schwierigkeiten unseres Lebens und dieser Welt am Ende nicht selbst überwinden können.

Von dem, was zu Ostern in Jerusalem geschah, zieht sich eine Spur bis hin in diesen Sonntag, in unser Leben. Wir bitten dich: Lass uns deine Spur entdecken.

Lass uns deinen Weg hinter allem Glanz und Schein der vielen Wege erkennen.

Lass uns das ganze weite Leben finden, das du vor uns ausbreitest – das weiter reicht und meist nur hinter den Dingen gefunden werden kann.

Wir beten gemeinsam weiter mit den Worten Jesu: Vater unser im Himmel …

Lied: „Der Herr wird dich mit seiner Güte segnen“

Segen:

Der Herr segne Dich und behüte Dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden. Amen.

Musik zum Ausgang: „Wir sind begleitet“

Lesegottesdienst zum Sonntag Quasimodogeniti

Lied: Morgenlicht leuchtet

Psalm 116, 1-9.13:
Das ist mir lieb, dass der HERR meine Stimme und mein Flehen hört. Denn er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.
Stricke des Todes hatten mich umfangen, des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen; ich kam in Jammer und Not. Aber ich rief an den Namen des HERRN: Ach, HERR, errette mich! Der HERR ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig.
Der HERR behütet die Unmündigen; wenn ich schwach bin, so hilft er mir.
Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes. Denn du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.
Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen.
Ich will den Kelch des Heils erheben und des HERRN Namen anrufen. Amen.

Lesung: Jesaja 40, 26-31: Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Gedanken

Dieser Sonntag hat einen komplizierten Namen – einen, der sich ableitet vom alten lateinischen Eröffnungsvers der Messfeier: 1.Petrus 2,2. So ist es bis heute geblieben, auch bei uns Evangelischen: „quasi modo geniti: Wie die neugeborenen Kinder“.
Wie die Neugeborenen nach Milch, so sollen wir nach Jesus Christus verlangen, aus ihm unsere Lebenskraft beziehen. Das ist der Gedanke, der diesen Sonntag begleitet.
Neugeboren werden, einen neuen Anfang finden. Ab dem kommenden Montag soll ein erster vorsichtiger Versuch in diese Richtung unternommen werden. Was in der Natur so selbstverständlich geschieht, dass die Knospen sprießen, dass im Frühling Neues entsteht, stellt uns vor Herausforderungen. Wir spüren es am eigenen Leib und in unserer Seele:
Im Letzten werden wir eben nicht einfach „neu“. Wir haben unser Leben im Schlepptau, unsere Erfahrungen und Prägung. Die Psychologen nennen das unser „Skript“.
Auch beim besten Willen sind wir nicht Schöpfer, sind nicht „Herren jeder Lage“. Aber wir sind – und das ist das Bedeutsame: Wir Menschen sind und leben als diejenigen, die suchen, die sich sehnen und sorgen, die verletzlich sind und neugierig bleiben. In diesen Wochen habe ich den Eindruck, leben viele von uns das Motto dieses Sonntags längst schon ganz bewusst.
Ähnlich der Neugeborenen, denen noch alle Wege offenstehen, entdecken wir in vielen Lebensbereichen, privat und beruflich aus neuem Blickwinkel unsere Gaben, Möglichkeiten und Fähigkeiten trotz Einschränkungen. Und wir setzen ein, was wir haben, können und wissen – verstärkt füreinander, will mir scheinen. Wir schwingen uns auf, wie im Predigttext aus Jesaja zu lesen. Wir lassen in dieser diffusen und surrealen Zeit Gottes Aufwind zu.
Zwar gehen wir weiterhin auf Abstand zueinander. Und das wird wohl leider auch noch eine ganze Weile so bleiben müssen. Aber wir gehen auch auf Abstand zu so mancher Distanziertheit, die vor Corona meinem Empfinden nach größer war, als sie es jetzt ist.
Das äußere Erleben spiegelt offenbar nicht zwingend das Dahinterliegende. Zur Verdeutlichung schauen wir auf den alt gewordenen Nikodemus. Er fragt im dritten Kapitel des Johannesevangeliums: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Jesus antwortet ihm: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“
Aus „Wasser geboren“ – nach jüdischer Lehre bedeutet das, „der Zeit entrissen zu sein“, wie einst Mose, der aus dem Wasser Gezogene. Das erinnert uns an unsere Taufe. Mit ihr sind wir herausgehoben, neu geboren, bekommen Aufwind. Wir bleiben zwar ein Teil dieser Welt und ihrer Gesetze, wir leben auch weiterhin mit der Zeit und allem Verrinnen. Da ist kein Aufhalten, aber Jesu Auferstehung bekräftigt: Wir bleiben nicht darin gefangen, bleiben nicht am Boden. Wenn es sich manchmal auch so anfühlt und unsere Existenz am seidenen Faden hängt, es gilt:


Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. Amen.

Lied: Da wohnt ein Sehnen tief in uns

Gebet

Herr, unser Gott!

Wir sehen dich nicht, aber wir vertrauen auf deine Nähe und deine Kraft, die bei uns ist.

Gib uns Aufwind: Schenke Worte, die uns trösten, wenn wir bedrückt sind.

Gib uns Aufwind: Herr, öffne uns das Herz, dass wir von deiner Liebe etwas spüren.

Wir bitten dich: Gib Aufwind allen, die mit uns verbunden sind.

Wir bitten dich für alle Kranken, für Sterbende und Einsame: Halte du sie in deiner Hand geborgen. Und schütze du alle, die für uns arbeiten, die sich einsetzen für andere. Dass sie genügend Kraft haben und Liebe für die Menschen. Dass wir mehr tun, als für ihren Dienst am Abend eines harten Tages zu klatschen.

Gib Aufwind und höre, wie wir mit den Worten Jesu weiter beten: Vater unser im Himmel…

 

Segen

Der Herr segne Dich und behüte Dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden. Amen.

Musik zum Ausgang: „Wer auf Gott vertraut, der braucht sich nicht zu fürchten“

Lesegottesdienst zum Osterfest

„Der Herr ist auferstanden!“ „Er ist wahrhaftig auferstanden!
Wir sind begleitet-Sei behütet

„Dies ist der Tag, den der Herr macht. Lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.“ Wir sind miteinander verbunden im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Mit den Worten, die wie ein Leuchtfeuer auch dieses Jahr über unserem Osterfest stehen, grüße ich Sie herzlich: „Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offenbarung 1.18) Unser Gottesdienst wird musikalisch begleitet von
Sarah Smith und Andreas Petschke.

„Exit“ – so nenne ich unser Motto heute am Ostersonntag. „Exit“ – innerlich, in unseren Gedanken und Gebeten aus allem, was uns umtreibt und zurücklässt. „Exit“ jetzt in diesem Lesegottesdienst.

Lied: EG 116: Er ist erstanden, Halleluja!

Psalm 118, 14-24:
Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.
Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten:
Die Rechte des HERRN behält den Sieg!
Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg!
Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen.
Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.
Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke.
Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen.
Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.
Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.
Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. Amen.

            -Stilles Gebet-

Lesung: 1. Korinther 15, 19-28 (Luther 2017):
19 Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. 20 Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.  21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.  22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.  23 Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird;  24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt.  25 Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat« (Psalm 110,1).  26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.  27 Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat.  28 Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.

Lied: EG 184: Wir glauben Gott im höchsten Thron

Gedanken: Auch heute heißt es: „Wir bleiben zu Hause!“ Das fällt nicht leicht, ist aber enorm wichtig. Deshalb halten wir es ein und spüren hoffentlich trotzdem Verbundenheit. Die kann selbst ein Virus nicht aufheben. Und das ist gut! Ungut ist, dass sich bei allem Bemühen längst nicht mehr jeder von uns daheim auch „zu Hause“ fühlt. Worauf also warten?! Gedanklich geht’s allemal anders:

Wir ziehen um in Gottes Wort. Dort sind die vielen Wohnungen. Zu Ostern ist Tapetenwechsel angesagt! Unser Neubezug des „Osternests“ muss in diesen herausfordernden Zeiten aber erstmal in uns hineinwirken. Dennoch: Unsere Gedanken halten Schritt. Die Architektur der österlichen Behausung fällt aus allen Rahmen. Gott hat seit jeher nonkonformistisch gebaut. Freiraum ist seit dem Auszug aus der Sklaverei zeitlos. Auch unsere jüdischen Geschwister erinnern dieser Tage daran mit der Pessach-Feier. Bindende Machtstrukturen haben keinen Zugang. Davon erzählt der Predigttext aus 1. Korinther 15.
Jesus Christus schafft neuen Lebensraum durch Grenzüberwindung. „Exit“ lautet daher der Name des österlichen Wohnkomplexes, den er als Grund- und Eckstein für uns hochgezogen hat. Welche Maßstäbe Jesus setzt und welche er aufhebt, sehen wir in den neuen Lebensräumlichkeiten. „Exit“dieses Wort kennen wir. Es zeigt den Weg aus der Gefahr und hilft uns, sicher ins Freie zu finden. Klangraum Ostern: „Exit“: Neue Wohnungen in Gottes Wort beziehen. Zu Ostern die allzu engen Räume innerlich gegen die Weite des Himmels tauschen. Ins Licht des Auferstehungsmorgen treten. Hören, ob unsere bisherige Gangart zum Klingen kommt auf dem Boden des neuen Lebensraums. Mit Ostern lässt Gott für uns das „Exit-Zeichen“ sichtbar werden.
Es leuchtet auf in Jesu Weg durch Kreuz und Auferstehung. Und es zeigt, wie die österliche Wohnung in Gottes Wort zugeschnitten ist – ausgerichtet auf neues Leben. Ostern ist kein „Wolkenkratzer“. Ostern ist die „Exit-Erfahrung“ überhaupt! „Jesu Tod verkünden wir und seine Auferstehung preisen wir, bis er kommt in Herrlichkeit!“ In diesem Jahr tun wir das äußerlich betrachtet in besonderer Form, innerlich aber trotz staatlicher Auflagen weiterhin ungebrochen frei. „Exit!“: Jesus Christus hat den Schlüssel des Todes und der Hölle. Wir haben den Schlüssel zur Wohnung in Gottes Wort. Und wer weiß? Vielleicht bleiben wir in der Zeit nach diesen vielen Einschnitten gerne in Gottes österlichem „Exit“ wohnen und machen manches wirklich anders: Schätzen z.B. die einfachen Dinge auch dann noch, wenn sie wieder verfügbar sind. Pflegen Kontakte intensiver als vor Corona, weil wir jetzt wissen, wie gut eine Umarmung tut. Vielleicht wollen wir nicht mehr den Überfluss – schon gar nicht auf Kosten anderer, und achten tatsächlich darauf, dass alle gerecht bezahlt werden. Wir sehen täglich, wie wichtig die Bereiche sind, die wir sonst kaum eines Blickes würdigen. Und wir wissen, wie prekär die Lage ist – und das schon viel zu lange. Unser Gesundheitssystem würde einen großen Gewinn abwerfen, müsste es keine Gewinne erzielen… Zu Ostern: „Exit!“ Lassen Sie uns umziehen. In Gottes Wort sind viele Wohnungen. Amen.

Lied: EG 112: Auf, auf, mein Herz, mit Freuden

Gebet: Wir treten heraus und wir treten ein – beheimaten uns in deinem Wort, suchen deine Nähe, Herr.
Gemeinsam blinzeln wir ins Licht dieses Ostertages und bitten: Lass diesen Schritt gelingen!
Mit allen, die heute weltweit das Fest deiner Auferstehung feiern, rufen wir zu dir: Lass uns auferstehen – heute und einst! Lass unsere Verstorbenen und uns das Licht deiner Herrlichkeit sehen! Es strahle hell und weit hinein in die Einsamkeit dieser Tage. Es umhülle mit Wärme und Frieden alle, die leiden und in Trauer sind, die Angst haben um ihre Existenz, die bedroht sind von häuslicher Gewalt. Ostern führe uns heraus: Exit! Heute, jetzt – innerlicher Aufbruch im Beten, im Hoffen, im Sehnen und Warten. In deinem Wort sind wir zuhause und mit den Worten Jesu beten wir gemeinsam weiter: Vater unser …

Lied: EG 398: In dir ist Freude in allem Leide

Segen:

Der Herr segne Dich und behüte Dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden. Amen.

Nachspiel: Das wünsch ich Dir

Lesegottesdienst zum Karfreitag

Vorspiel: Poco Adagio

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. 

Wer kann ermessen, wie tief menschliches Leid geht? Hilflos und voller Furcht stehen wir davor. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Wer so schreit, fühlt sich ganz allein. Doch Gott weicht dem tiefsten menschlichen Leid nicht aus, davon berichtet der Karfreitag. Musikalische Begleitung: Sarah Smith und Andreas Petschke.

Lied: EG 85 O Haupt voll Blut und Wunden EG

Psalm 22

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Du aber bist heilig,
der du thronst über den Lobgesängen Israels.
Unsere Väter hofften auf dich;
und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrien sie und wurden errettet,
sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,
ein Spott der Leute und verachtet vom Volke.
Alle, die mich sehen, verspotten mich,
sperren das Maul auf und schütteln den Kopf.
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
denn es ist hier kein Helfer.
Aber du, Herr, sei nicht ferne;
meine Stärke, eile, mir zu helfen!

 Karfreitagsgedanken zu Psalm 22

Psalm 22 ist ein Gebet, das Menschen über Jahrhunderte hinweg seine Worte geliehen hat, wenn die eigenen Worte fehlten. „ Mein Gott, warum hast du mich verlassen“. So betete auch Jesus. Im Sterben betet Jesus diesen alten Psalm des Volkes Israel. Worte, die schon so viele geschrien oder gestammelt haben, wenn sie meinten: Jetzt ist alles aus - und ich bin mutterseelenallein und gottverlassen.

Zur Gottverlassenheit kommt das ausgestoßen sein aus der menschlichen Gemeinschaft hinzu. „Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volke“. Die Würde eines Menschen steht auf dem Spiel. Gottes Ebenbild, ein Wurm und kein Mensch.

Der Psalm 22 spiegelt die Erfahrung wieder, die Jesus an der Grenze zwischen Leben und Tod machen musste. In seinem Sterben geht es nicht nur um den Schmerz und die einsame Verzweiflung am Kreuz, sondern auch um die Klage darüber, dass der Mensch so ist, wie ihn der Beter des 22. Psalms erlebt.

Die Bilder von den verzweifelten Menschen an den Zäunen der Flüchtlingslager erzählen davon, dass die Geschichte der Entwürdigung von Menschen weitergeht bis zum heutigen Tag.

Dem sterbenden Jesus hat man die Würde genommen, die er in seinem Leben anderen zugesprochen hat. Er hat Menschen aufgerichtet, er hat sie mit Hoffnung angesteckt. Er hat sie angesprochen als Kinder Gottes.

Der Tod Jesu scheint nun alles in Frage zu stellen. Haben doch die Gewalttätigen recht? Setzt sich die Menschenverachtung durch, während die Liebe auf der Strecke bleibt?

In Jesu Schrei der Gottverlassenheit höre ich die Verzweiflung eines Menschen. Ich vernehme aber auch ein letztes Gottvertrauen. Ein Mensch fühlt sich von Gott verlassen und doch ist es noch sein Gott. Er betet zu ihm. Er ist die Adresse seiner Klage. Selbst in tiefster Not haben sich Menschen zu allen Zeiten an Gott gewendet „Rette mich Gott, das Wasser steht mir bis zum Hals“(Psalm 69).

Gott, nach dem Jesus ruft, hat seinem Volk immer geholfen. „Unsere Väter hofften auf dich und da sie hofften, halfst Du ihnen heraus. Zu dir schrien sie und wurden nicht zuschanden.“ Immer wieder führte der Weg hinaus aus Knechtschaft und Sklaverei, immer wieder gab es neue Anfänge mit diesem Gott. Wenn es dieses letzte Gottvertrauen nicht gäbe, könnten wir den Karfreitag nicht aushalten.

Oscar Wilde hat einmal geschrieben: „Wir liegen alle in der Gosse, aber ein paar von uns schauen zu den Sternen auf.“ Die Gosse, all das was mich belastet, meine Aussichtslosigkeit, meine Ängste, meine Einsamkeit, die Erfahrung der Sinnlosigkeit und der Vergänglichkeit. Und doch ein letztes Gottvertrauen, ein Blick nach oben. Ich stecke meinen Kopf nicht tiefer in den Schlamm. Ich blicke nach oben und klage meinem Gott mein Leid. Und während ich nach oben klage, höre ich von der Seite eine Stimme: „Ich bin da, hier bei dir, in der Gosse“ Und ich drehe mich zur Seite und werde von liebenden Augen angesehen.

Mitten in der Gottverlassenheit von Gott umgeben. Das ist der Widerspruch von Karfreitag, den wir aushalten müssen und gleichzeitig der Zuspruch, den wir mitnehmen dürfen auf den Weg hin zu Ostern. Amen!

Lied EG 98,1-3 Korn, das in die Erde

Fürbitten an Karfreitag

Du, Gott, der Verlassenen.

Trost der Einsamen. Hilfe der Verzweifelten. Quelle der Hoffnung. Wir kommen zu dir mit unserem Gebet.

Wir bitten dich für die Menschen, die sich wie Jesus von dir verlassen fühlen. In einsamen Wohnzimmern.  Schulen, in Heimen, in Gefängnissen. Verzweiflung um den Verlust eines geliebten Menschen.

Wir bitten dich für die Menschen, die wie Jesus verachtet werden. Weil sie fremd sind. Weil sie anders glauben als andere. Weil sie anders lieben als andere.

Wir bitten dich für Menschen, die wie Jesus Gewalt leiden.

In den eigenen Familien. Auf der Flucht vor Terror und Krieg. In so vielen Kriegsgebieten.

Wir bitten dich für die Menschen, die vom Tod betroffen sind. Lass Sie dein Kreuz erkennen, als Zeichen der Hoffnung. Ein Ort deiner Nähe – auch im größten Leid. Bewahre in uns allen das Vertrauen, dass nichts uns scheiden kann von deiner Liebe.

Gemeinsam beten wir zu Dir: Vater unser im Himmel …

Lied EG 548:  Kreuz auf das ich schaue

 Segen

Der Herr segne Dich und behüte Dich.

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden 

Nachspiel

Per la Benedict (izione)

Gottesdienst zu Gründonnerstag

© bawa

Wer auf Gott vertraut braucht sich nicht zu fürchten

Seit ein paar Jahren feiern wir am Gründonnerstag Abendmahl an Tischen in Friesenhofen im Gemeindehaus. Während des Gottesdienstes sitzen wir gemeinsam an einer langen Tafel. Wir teilen Brot und Traubensaft und anschließend wird gevespert. Vielleicht mögen Sie zuhause diesen Gottesdienst auch als Abendmahl am Tisch feiern. Sie brauchen dazu nur ein Stück Brot und etwas Saft oder Wein (oder Wasser). Auch wenn wir dieses Jahr nicht gemeinsam feiern können, gilt doch, dass uns die Feier des Abendmahls miteinander verbindet. Wo wir es feiern, denken wir an Jesus Christus und die Gemeinschaft, die wir durch ihn haben. Das Wort für diesen Tag steht in Psalm 111, 4 „Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Gott.“ Die musikalische Begleitung des Gottesdienstes gestalten Sarah Smith und Andreas Petschke.Weiter

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen!

(2. Korinther 13,13)

Mitten in der Karwoche sind wir eingeladen an Jesu Tisch und in seine Gegenwart.

An diesem letzten Abend setzte Jesus ein Zeichen seiner Liebe:
einen Moment der Hoffnung, der über das hinausweist, was ist und was sein wird.

 

EG 98, 1-3 Korn, das in die Erde

 EG 711, Psalm 23

Der Herr ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Wir beten:

Barmherziger Gott, heute, jetzt möchte ich mich neigen zu dir, du Quelle des Lebens. Über deinen Weg in die Tiefe des Todes und mitten ins Leben möchte ich nachdenken. Dein Brot erhält unser Leben. Dein Kelch stärkt unsere Hoffnung. Lass uns deinen Trost empfangen und spüren, dass du auch jetzt mit uns gehst. Amen.

Das Abendmahl nach Markus (Mk 14,17-26)

17 Und am Abend kam er mit den Zwölfen. 18 aUnd als sie bei Tisch waren und aßen, sprach Jesus: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch, der mit mir isst, wird mich verraten.  19 Und sie wurden traurig und fragten ihn, einer nach dem andern: Bin ich's? 20 Er aber sprach zu ihnen: Einer von den Zwölfen, der mit mir seinen Bissen in die Schüssel taucht. 21 Der Menschensohn geht zwar hin, wie von ihm geschrieben steht; weh aber dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre.

22 aUnd als sie aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Nehmet; das ist mein Leib. 23 Und er nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus. 24 Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. 25 Wahrlich, ich sage euch, dass ich nicht mehr trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinke im Reich Gottes. 26 Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

EG 228, 1-3 Er ist das Brot, er ist der Wein

Die Jünger sind verstört von Jesu Worten und fragen traurig: Bin ich es, der dich verraten wird? Keiner schließt es aus. Später werden sie an diesen Abend denken und Jesu Nähe spüren, wenn sie Brot und Wein teilen. Sie werden sich erinnern, wie Jesus ihnen das Fest bereitet hat und gemeinsam mit ihnen allen aß, wie er keinen wegschickte, obwohl er wusste, dass sie ihn aus Angst verlassen würden. Im Rückblick wird ihnen das Abendmahl zum Zeichen der Versöhnung. Jetzt haben sie noch einen ungewissen Weg vor sich.

Sie gehen hinaus an den Ölberg, in den Garten Gethsemane. Dort angekommen heißt Jesus seine Jünger zu warten. Nur drei von ihnen nimmt er noch ein Stück weiter in den Garten mit hinein: Petrus, Jakobus und Johannes. Er bittet sie, zu bleiben und warten.

 

787.2 Bleibet hier, wachet mit mir, wachet und betet.

 

Allein setzt Jesus seinen Weg fort. Er betet zu Gott: Wenn es möglich wäre, solle diese Stunde an ihm vorübergehen. Jesus hat Angst. Er hofft auf die Unterstützung seiner Jünger. Doch diese werden vom Schlaf übermannt. Als Jesus sie so findet, bittet er sie noch einmal. Doch wieder schaffen sie es nicht.

Sie wollen wach bleiben, Jesus begleiten. Aber die Müdigkeit ist stärker. Ihre Kräfte sind am Ende. Zu viel haben sie erlebt. Sie wissen, welcher Abschied auf sie zukommt – und wohl auch welche Gefahr. Ich kann diese Sehnsucht nach Schlaf verstehen – eine Flucht aus der Angst hinein in eine wohltuende Leere. Wir sagen: in den Schlaf sinken. Wir sinken aus dieser Welt in eine andere. Wir brauchen Schlaf und Ruhe. Anders hätten wir keine Kraft mehr. Wer in der Nacht keinen Schlaf findet, weiß, wie kräftezehrend das ist. Wir können nur schlafen, wenn wir loslassen – die Gedanken, das Grübeln. Jesus hätte gerne, dass die Jünger mit ihm wachen. Aber sie schaffen es nicht – nicht jetzt. Nicht hier.

So geht Jesus seinen Weg allein. Er geht ihn auch für die schlafenden Jünger und für uns. Er betet. Ja, er betet, das alles möge an ihm vorübergehen. Ein nachvollziehbarer Wunsch. Jesus zeigt in dieser Szene der Passionsgeschichte seine ganze Menschlichkeit. Er ist am Ende seiner Kraft. Er sucht Hilfe. Die Angst drückt ihn zu Boden. Für mich wird Jesus in Gethsemane zur Stimme aller, die am Boden liegen. Die Furcht um das eigene Leben raubt einem die Kraft. Hoffnungslosigkeit nimmt jeden Mut. Wir spüren diesen Schmerz in den Trauernden und Leidenden auch heute – in Krankheit und Einsamkeit, in Erschöpfung und Ohnmacht. Und wir sehen ihn auch zu tausenden in den Gesichtern derer, die an den Zäunen Europas gestrandet sind – in der Enge der Flüchtlingslager in Griechenland.

Jesus wird zur Stimme, die sagt: Schaut her. Schaut nicht weg. Bleibt bei mir. Lasst mich nicht allein – lasst die in ihrer Angst einsamen nicht allein.

Jesus geht seinen Weg allein – er geht ihn auch für sie, für uns. Jesus betet. Trotz allem, was ihn zu Boden drückt, trotz allem, dem er gerne ausweichen würde, hält er sich an Gott. Er bittet ihn und fleht – auch das ist wichtig. Beten heißt auch, Verzweiflung und Ohnmacht auszusprechen, zu benennen, welche Steine auf uns lasten – dies alles vor Gott zu bringen. Im Beten findet Jesus Ermutigung für das, was kommt. Trotz allem, was ihn zu Boden drückt, trotz allem, der er gerne ausweichen würde, hält er an Gott fest. Er vertraut, dass Gott auch durch das tiefste Tal hindurch mit ihm gehen wird. Du bist bei mir, dein Steckt und Stab trösten mich (Psalm 23). Auf einem Bild, das diese Szene zeigt, sind Jesu betende Hände heller gemalt – wie ein schmaler Lichtstreifen am Horizont, wie eine schmale Spur zu Gott hin. Hier zeigt sich, was Karfreitag und Ostern uns erzählen: Gott lässt sich aus keinem Leid mehr heraushalten. Er ist bei uns auch im tiefsten Moment des Lebens – und wo keiner uns mehr begleiten kann, geht er mit.

Auch wenn die Jünger jetzt nur aus der Welt fliehen können, werden sie später aus dem, was sie mit Jesus an diesem Abend erlebt haben, Kraft schöpfen. Sie werden Brot und Wein und ihre Erfahrungen miteinander teilen: die stärkende Gemeinschaft UND die erlebte Kraftlosigkeit. Beides gehört zu diesem letzten Abend, beides gehört zu ihnen, beides gehört zu uns.
Im Abendmahl feiern wir, dass wir in unserem ganzen Menschsein von Jesus angenommen sind. Wir sind eingeladen – so wie wir sind – fest im Glauben oder verzagt, mit allem, was uns gut gelingt und mit all unseren Fehlern und Selbstüberschätzungen. Bei ihm dürfen wir loslassen, Kraft schöpfen, Gemeinschaft finden und neu ins Leben gehen.

Und gleichzeitig holt Jesus die Welt in unsere Gemeinschaft mit hinein – er zeigt uns in seinem Leid die heute Leidenden,
in seiner Not die Not der Hilfesuchenden, der Erschöpften,
UND in seiner Barmherzigkeit unsere Fähigkeit zu lieben und zusammen für eine menschliche Welt einzustehen,
er stärkt uns – der Welt zugute

AMEN

 EG 548, 1-3 Kreuz, auf das ich schaue

 Gebet

Gott, du bist bei mir, auch wenn es still um mich wird.
Du nimmst mich an, wie ich bin. Dafür danke ich dir.
Ich bringe dir, was mir auf dem Herzen liegt, meine Angst, mein Versagen:

Stille
Und ich bringe dir meine Lebensfreude, meine Dankbarkeit, meine Sehnsucht:

Stille
Bei dir bin ich aufgehoben – darauf möchte ich trauen,
auch wenn alles anders ist, wenn der Abstand zu anderen mir schwerfällt,
wenn meine Hoffnung manchmal nur klein und brüchig ist.
Du bist da. Amen

Wenn Sie mögen, essen Sie jetzt ein Stück Brot und trinken einen Schluck Saft oder Wein – in Erinnerung an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern – und als Zeichen der Hoffnung, die er uns schenkt. Wo Sie in der Familie feiern, können sie sich beides gegenseitig reichen. Dazu können Sie die Einsetzungsworte des Heiligen Abendmahls laut lesen:

Der Herr Jesus in der Nacht, da er verraten ward und mit seinen Jüngern zu Tische saß, nahm das Brot, sagte Dank und brach’s, gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Das tut zu meinem Gedächtnis.

 Desgleichen nach dem Mahl nahm er den Kelch, sagte Dank, gab ihnen den und sprach:

Trinket alle daraus; das ist mein Blut des neuen Bundes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Das tut zu meinem Gedächtnis.

 

EG 576 Meine Hoffnung und meine Freude…

 Dank und Fürbitten:

Barmherziger Gott,

wir danken dir, dass dein Geist uns verbindet.

Wir denken an all jene, die heute zuhause Gottesdienst feiern.

Wir bitten dich, begleite uns mit deinem Segen:

Sei du bei allen, die im Dunklen sind:

Den Kranken und Sterbenden und den Trauernden.

Sei du bei denen, die verlassen sind:

In Gefängnissen und Lagern, auf der Flucht vor Krieg und Gewalt.

Sei du bei denen, die Verantwortung tragen, dass sie sie zum Wohle der Menschen einsetzen und sich leiten lassen von Achtsamkeit und Menschenfreundlichkeit.

Hilf uns, dir zu vertrauen in allem, was kommt.
Schenke uns Freude – an jenen, die an uns denken,
an den kleinen und großen Gesten, denen wir in diesen Tagen begegnen.

Schenke uns deinen Geist der Kraft, der Lieben und der Besonnenheit.
Amen

Wir beten Vater Unser im Himmel

EG 482, 4 Strophen: Der Mond ist aufgegangen

 

Wir bitten Gott um seinen Segen:

Gott, der Herr, segne uns und behüte uns.
Er lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Er erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen

Der Herr wird Dich mit seiner Güte segnen 
https://youtu.be/zza5YijRU20

 

 

 

Herzlich willkommen

Gottesdienste:

Sonntag, 17. Mai:
10 Uhr, Dreifaltigkeitskirche, Gottesdienst (Gerlach)

Donnerstag, 21. Mai, Christi Himmelfahrt:
10 Uhr, Dreifaltigkeitskirche, Gottesdienst (Götz)

Sonntag, 24. Mai:
10 Uhr, Dreifaltigkeitskirche, Gottesdienst (Götz)

Sonntag, 31. Mai, Pfingsten
10 Uhr, Dreifaltigkeitskirche, Gottesdienst (Rose)

Pfingstmontag, 1. Juni:
10 Uhr, Dreifaltigkeitskirche, Gottesdienst (Gerlach/Rose)
evtl. Gottesdienst im Grünen, weitere Hinweise in der Tagespresse und auf unserer Homepage

Sonntag, 7. Juni:
10 Uhr, Dreifaltigkeitskirche, Gottesdienst (Gerlach)

Sonntag, 14. Juni:
10 Uhr, Dreifaltigkeitskirche, Gottesdienst (Götz)